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19Mrz

Ein Baum im Fokus: Ein fotografisches Experiment mit einer alten Linde

Jedes Mal, wenn ich auf der Landstraße von Neumarkt Richtung Salzburg unterwegs bin, zieht ein ganz besonderer Baum meine Aufmerksamkeit auf sich: eine alte Linde. Man fragt sich unweigerlich, wie viele Jahre dieser markante Baum, ein Wahrzeichen der Gegend, wohl schon hier steht – vielleicht sogar über 200 Jahre? Längst hatte ich mir vorgenommen, diese beeindruckende Solitär-Linde einmal bewusst zu fotografieren, abseits der schnellen Schnappschüsse mit dem Handy während der Fahrt. Kürzlich habe ich mir endlich die Zeit dafür genommen.

Ohne Laub, aber voller Charakter

Allerdings hatte ich nicht ganz bedacht, dass es noch früh im Jahr ist und der Baum noch sein winterliches Kleid ohne Blätter trägt. So präsentierte er sich doch anders als in meiner Vorstellung. Doch das hielt mich nicht davon ab, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Im Hinblick auf mein neu erworbenes 35-mm-Objektiv von PearGear, das ja bekanntlich nicht für seine perfekte Abbildung bekannt ist, wählte ich dafür einen etwas anderen Ansatz als üblich.

Der Baum als Motiv für kreative Techniken

Bisher legte ich stets Wert auf technisch einwandfreie, scharfe Fotos, oft mithilfe von Focus Peaking, etc. Doch in letzter Zeit verspüre ich den Wunsch, bewusst das Gegenteil zu erproben: Fotos mit Unschärfen und Überlagerungen, die ich auch in der Nachbearbeitung gezielt einsetze. Die kreative Bildbearbeitung, die über das reine Optimieren hinausgeht, hat mein Interesse geweckt.

Dieser einsam in der Landschaft stehende Baum schien mir das ideale Motiv für einige dieser neuen Techniken zu sein. Also näherte ich mich der Linde, die auch ohne Laub ihren Reiz hat, um sie genauer in Augenschein zu nehmen. Auf dem Kameradisplay wirkte das Motiv bereits interessant, auch wenn die Natur selbst natürlich immer eindrucksvoller ist. Gerade das Fehlen der Blätter und die sichtbaren feinen Verästelungen wollte ich mir zunutze machen, um das Bild fast wie gemalt wirken zu lassen.

Mein Plan war es, mehrere Fotos des Baumes aus verschiedenen Entfernungen und mit unterschiedlichen Brennweiten aufzunehmen und diese später zu überlagern. Dazu nutzte ich den Weg, der von dem Baum wegführt. Zum Einsatz kamen meine beiden Zoomobjektive: das 70-200 mm und das 24-105 mm. Es war mir wichtig, dass der Baum auf jedem einzelnen Bild gleich groß und zentral positioniert ist – eine Kompositionsregel, die eher selten verwendet wird, aber hier bewusst als Stilmittel eingesetzt wurde, um den Baum besonders in den Fokus zu rücken.

Schritt für Schritt zum Ziel

Entlang des Weges entstanden so mehrere Aufnahmen. Die Abstände zwischen den einzelnen Standpunkten waren anfangs geringer und wurden mit zunehmender Entfernung größer. Warum das so ist, bleibt als kleine Denkaufgabe für die Leser offen.

Nachdem das Stativ aufgebaut war, um ruhigere Aufnahmen zu gewährleisten, begann die Fotoserie. Die erste Aufnahme entstand aus relativer Nähe mit dem 24-105 mm Objektiv bei 24 mm Brennweite. Die Kameraeinstellungen waren bewusst einfach gehalten: ISO 100, Blende 8 für optimale Schärfe des Objektivs und eine automatische Belichtungszeit, da sich nichts im Bild bewegte. Eine leichte positive Belichtungskorrektur wurde vorgenommen, da die Automatik bei einem hellen Himmel dazu neigt, das Bild zu unterbelichten. Der Fokus wurde manuell auf einen Ast des Baumes gesetzt, und der 2-Sekunden-Timer kam alleine schon aus Gewohnheit zum Einsatz. Die Auslösung erfolgte per Touchscreen, um Erschütterungen zu minimieren.

Der kreative Bearbeitungsprozess

Zurück am Schreibtisch wurden die insgesamt 21 Fotos in Lightroom importiert und grob in Bezug auf Belichtung, Kontrast und Farbtemperatur angepasst. Anschließend wurden alle Bilder in Photoshop als einzelne Ebenen geöffnet.

In Photoshop galt es zunächst, das „schönste“ Bild als unterste Ebene zu definieren. Die darüberliegenden Ebenen wurden dann mit stark reduzierter Deckkraft über dieses Basisbild gelegt, um einen ersten Überlagerungseffekt zu erzielen. Durch das gezielte Ein- und Ausblenden einzelner Ebenen und das Verschieben und Verzerren von nicht exakt übereinstimmenden Bildbereichen wurde die Überlagerung optimiert.

Für einen weiteren kreativen Schritt wurde zunächst der Baum mithilfe der generativen Füllmethode aus einer duplizierten Ebene entfernt. Auf diese „baumlose“ Ebene wurde anschließend ein Bewegungsunschärfe-Filter angewendet, um den Hintergrund bewusst abstrakt und dynamisch wirken zu lassen. Die ursprüngliche Baum-Ebene wurde dann mit einer schwarzen Maske versehen, und der Baum wurde mit einem weißen Pinsel vorsichtig wieder in das Bild hineingemalt, sodass er scharf vor dem verwischten Hintergrund zur Geltung kam.

Das Endergebnis: Fotografie als Kunst

Abschließend wurden alle Ebenen auf eine gemeinsame Ebene reduziert und im Camera-Raw-Filter feinjustiert. Dabei wurden Belichtung, Kontrast und Dynamik angepasst, und die Sättigung wurde leicht reduziert, wobei die für mich etwas störenden Rottöne bewusst etwas abgeschwächt wurden. Auch der Farbton des Grüns wurde leicht ins Gelbliche verschoben.

Das Ergebnis ist ein Bild des Baumes, das kaum noch als reine Fotografie bezeichnet werden kann, sondern eher als digitale Kunst zu bezeichnen ist. Es war ein spannendes Experiment, das gezeigt hat, wie man durch bewusste Unschärfe und Überlagerung zu interessanten Ergebnissen kommen kann. Nun bleibt die Hoffnung auf besseres Wetter mit einigen Wolken im Hintergrund, um das Projekt vielleicht noch einmal mit veränderten Bedingungen anzugehen.

Verantwortung in der digitale Kunst

Dieser kreative Prozess, bei dem Fotografie und digitale Bearbeitung miteinander verschmelzen, hat mir einmal mehr gezeigt, wie viel Raum für künstlerische Freiheit und Experimentierfreude in der modernen Fotografie steckt. Es ist spannend zu erleben, wie die digitale Technik nicht nur das Handwerk unterstützt, sondern auch neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet, die vorher undenkbar waren. Für mich ist die digitale Bildbearbeitung mehr als nur ein Werkzeug – sie ist eine kreative Erweiterung des Fotografierens, die es mir erlaubt, meine Visionen und Ideen auf eine Weise umzusetzen, die ohne sie nicht möglich wäre. Letztlich liegt es im Erschaffen von Kunst, ob auf der Leinwand, in der Fotografie oder in der digitalen Welt, immer im Auge des Betrachters, was als authentisch und wertvoll angesehen wird. Die digitale Kunst hat ihren Platz, und auch wenn sie die Traditionen der Fotografie herausfordert, bereichert sie diese auf eine faszinierende Weise.

Natürlich ist es wichtig zu betonen, dass die digitalen Möglichkeiten nicht dazu missbraucht werden sollten, die Realität zu verzerren oder zu manipulieren, um falsche Eindrücke zu erwecken. Besonders in Bereichen wie dem Fotojournalismus oder der dokumentarischen Fotografie, in denen Authentizität und Wahrheit von größter Bedeutung sind, muss der Einsatz von Bildbearbeitung immer verantwortungsbewusst und transparent erfolgen. Kreative Freiheit sollte nicht dazu genutzt werden, um der Wahrheit zu schaden oder unethische Ziele zu verfolgen. Die Kunst bleibt ein Raum für kreative Entfaltung, doch diese Entfaltung muss immer im Einklang mit der Verantwortung stehen, die mit der Macht der digitalen Manipulation einhergeht.

22Feb

Streetfotografie: Es kommt nicht auf die Kamera an!

Hallo zusammen! Auch wenn sich mein YouTube-Kanal vor allem um Naturfotografie dreht, interessiere ich mich genauso für andere fotografische Genres: Porträts, Produktfotografie, Stadtfotografie und eben auch Streetfotografie. Dabei fällt mir immer wieder auf, dass Streetfotografie und Stadtfotografie oft miteinander verwechselt werden. Zwar wirken viele Streetfotos spontan und einfach, doch in Wahrheit erfordern sie viel Übung und einen geschulten Blick. Ich fotografiere gerne auf der Straße, aber es gibt diese innere Stimme, die mir zuflüstert, dass ich nicht die „richtige“ Ausrüstung dafür habe. Und das ist merkwürdig, denn in einem meiner Videos habe ich selbst betont, dass gute Fotos nicht von der Kamera abhängen. Trotzdem beschleicht mich bei der Streetfotografie das Gefühl, dass eine spezielle Kamera notwendig sei.

Und genau hier kommt die Leica ins Spiel.

Leica – Ikone der Streetfotografie

Wenn es um Streetfotografie geht, denken viele sofort an Leica. Vor über 100 Jahren entwickelte Leica die erste kompakte Kamera, mit der man unauffällig auf der Straße fotografieren konnte – ein echter Meilenstein. Besonders die Leica M, eine klassische Messsucherkamera, gilt als das Sinnbild für Streetfotografie. Aber ist sie wirklich alternativlos?

Persönlich kann ich mit der Leica M nicht viel anfangen. Der Messsucher liegt mir nicht, und der Preis… Nun, selbst mit einem Lottogewinn würde ich mein Geld anders investieren. Dann gibt es noch die Leica Q – eine Kamera, die quasi nach dem Motto funktioniert: „Man kauft ein Objektiv und bekommt die Kamera gratis dazu.“ Aber auch hier gibt es einen Haken: Während das Objektiv langfristig hochwertig bleibt, wird die Kamera irgendwann technisch überholt sein. Und dann ist da noch die Leica D-Lux 8, die Falk Frassa in einem seiner Podcasts vorgestellt hat – kompakt, praktisch, aber dennoch nicht das perfekte Gesamtpaket für mich.

Warum ist die Leica so begehrt?

Was also macht die Faszination der Leica aus? Warum schwören so viele Fotografen auf den „Leica-Look“? Es geht weniger um die Technik als um das Gefühl, das diese Kameras vermitteln – um die Art und Weise, wie man mit ihnen sieht und fotografiert. Besonders in den Arbeiten der Magnum-Fotografen sieht man diesen besonderen Stil. Doch bei näherem Hinsehen fällt auf: Viele dieser Bilder spielen mit Bewegungsunschärfe, geringer Tiefenschärfe oder Licht-Schatten-Kontrasten – alles Effekte, die ich auch mit meiner Canon EOS R erzielen kann. Die entscheidende Frage ist nicht, welche Kamera man nutzt, sondern wie man mit ihr arbeitet.

Geschwindigkeit ist der Schlüssel

Ein Aspekt, den ich jedoch nicht unterschätzen will, ist die Geschwindigkeit. In der Streetfotografie muss oft blitzschnell reagiert werden, und selbst der beste Autofokus kann manchmal zu langsam sein. Hier kommt eine Technik ins Spiel, die seit Jahrzehnten bewährt ist: der Zonenfokus.

Beim Zonenfokus stellt man die Kamera so ein, dass ein bestimmter Bereich automatisch scharf ist – ganz ohne Autofokus. Ein Beispiel: Mit Blende 5,6 kann ich die Schärfentiefe auf etwa 1 bis 4 Meter festlegen und bin dann in der Lage, den Moment ohne Verzögerung einzufangen. Kein Fokussieren, kein Warten – einfach abdrücken.

Meine Lösung: Ein manuelles Objektiv

Um diese Technik optimal zu nutzen, habe ich mir ein kleines, manuelles Objektiv von PerGear zugelegt. Es ist kompakt, erlaubt die manuelle Einstellung von Blende und Fokus und gibt mir genau die Kontrolle, die ich für Streetfotografie brauche. Mit einem Preis von nur 160 Euro ist es zudem eine günstige Möglichkeit, meine Ausrüstung gezielt zu erweitern.

Wie schlägt sich dieses Objektiv an meiner Canon EOS R? Erstaunlich gut! Es sieht in Silber nicht nur stilvoll aus, sondern lässt sich auch angenehm bedienen. Dank Fokus-Peaking kann ich sicherstellen, dass ich immer den richtigen Fokus treffe. Das Fotografieren macht mit diesem Setup einfach Spaß – und darauf kommt es letztlich an.

Fazit

Braucht man also eine Leica für Streetfotografie? Nein. Was wirklich zählt, ist nicht die Kamera, sondern die Art und Weise, wie man fotografiert. Ein guter Blick, schnelle Reaktionen und das Verständnis für Licht und Komposition sind weitaus wichtiger als das Logo auf der Kamera.

Ich freue mich darauf, weiter mit meinem Setup zu experimentieren. Was haltet ihr von manuellen Objektiven und Zonenfokus in der Streetfotografie? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

01Feb

Was mich an jeder Kamera nervt: Ein kleines Detail mit großer Wirkung

Kameras sind hochentwickelte Werkzeuge, mit denen Fotografen die Welt in all ihren Facetten festhalten können. Doch trotz ihrer ausgeklügelten Technik gibt es einen Konstruktionsfehler, der mich immer wieder stört – vor allem bei größeren Spiegelreflex- und spiegellosen Systemkameras. Vielleicht fällt er bei kleinen Kompaktkameras weniger ins Gewicht, aber sobald man eine größere Kamera mit einem schweren Objektiv trägt, wird er unübersehbar.

Der Konstruktionsfehler: Die falsche Position der Gurtbefestigung

Das Problem liegt in der Platzierung der Gurtösen. Ich trage meine Kamera oft mit einem Gurt – sowohl freihändig als auch in Kombination mit einem Stativ. Doch sobald ich die Kamera umhänge, zeigt das Objektiv nach außen – genau der Teil der Kamera, der am empfindlichsten und teuersten ist.

In einer Menschenmenge, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Wandern im Wald ist das nicht ideal. Ich möchte nicht, dass mein Objektiv an Menschen, Ästen oder anderen Hindernissen entlangstreift. Stattdessen wäre es sinnvoller, wenn die Kamera so hängt, dass das Objektiv nah am Körper bleibt und geschützt ist.

Die naheliegende, aber unpraktische Lösung

Mein erster Gedanke war, die Kamera einfach umgekehrt zu tragen, sodass das Objektiv nach innen zeigt. Das löste zwar das Problem des Schutzes, brachte aber ein neues: Jedes Mal, wenn ich die Kamera zum Fotografieren anhebe, hängt mir der Gurt im Weg. Ein schneller, intuitiver Zugriff ist so kaum möglich – also keine wirkliche Lösung.

Industrielle Lösungen – und warum sie für mich nicht funktionieren

Ich bin offenbar nicht der Einzige, der sich mit diesem Problem beschäftigt. Hersteller wie Peak Design bieten Adapter an, die die Gurtbefestigung an das Stativgewinde der Kamera verlagern. Damit hängt die Kamera kopfüber, das Objektiv bleibt geschützt, und die Handhabung verbessert sich etwas.

Doch auch diese Lösung hat Nachteile. Wenn die Kamera nur an einem einzigen Punkt unten befestigt ist, baumelt sie instabil und kippt beim Tragen hin und her. Für mich war das keine zufriedenstellende Lösung.

Meine Lösung: Modifikation des L-Brackets

Da ich häufig mit einem L-Bracket arbeite – einer Halterung, die mir schnelle Wechsel zwischen Hoch- und Querformat ermöglicht – kam mir eine Idee: Warum nicht das L-Bracket anpassen und dort eine eigene Gurtbefestigung integrieren?

Auf einer Seite meines Brackets befand sich bereits eine Öse. Also habe ich auf der anderen Seite vorsichtig ein kleines Loch gebohrt, um eine weitere Befestigung anzubringen. Nun kann ich meinen Kameragurt sicher an der Unterseite der Kamera befestigen.

Das Ergebnis: Mehr Schutz, mehr Komfort

Durch diese Modifikation hängt die Kamera stabiler, das Objektiv bleibt geschützt, und das Tragegefühl ist deutlich angenehmer. Besonders bei längeren, schwereren Objektiven merke ich den Unterschied: Sie stoßen nicht mehr so leicht an Hindernisse, und die Kamera liegt insgesamt ruhiger am Körper.

Selbst bei kürzeren Objektiven schätze ich es, dass sich die Rückseite der Kamera nach außen richtet, anstatt dass mein Objektiv ungeschützt heraushängt.

Fazit

Für mich ist die Position der Gurtbefestigung ein Konstruktionsfehler, den viele vielleicht gar nicht bemerken – bis sie in Situationen kommen, in denen der Schutz der Kamera entscheidend wird. Meine Lösung, das L-Bracket zu modifizieren, bietet mir mehr Sicherheit und Flexibilität, ohne dass ich beim Fotografieren Kompromisse eingehen muss.

Wie seht ihr das? Stört euch die Standardbefestigung von Kameragurten ebenfalls? Und wie findet ihr meine Lösung? Ich bin gespannt auf eure Meinungen und Ideen!

29Jul

Das Belichtungsdreieck: Mehr als nur ein alter Hut – ein neuer Blick auf die Zusammenhänge

Jeder Fotograf kennt es, viele können es im Schlaf aufsagen: Das Belichtungsdreieck. Blende, Belichtungszeit und ISO – die heiligen drei Parameter der Fotografie. Doch so bekannt und grundlegend dieses Modell auch ist, so oft wird es meiner Meinung nach falsch oder zumindest unvollständig dargestellt. Es wird selten wirklich klar, wie diese drei Größen tatsächlich zusammenhängen und wie man dieses Wissen für bessere Fotos nutzen kann.

Das klassische Belichtungsdreieck – und seine Schwächen

Meistens wird das Belichtungsdreieck als eine Art Diagramm dargestellt:

  • Blende: Größere Blendenöffnung = helleres Bild
  • Belichtungszeit: Längere Belichtung = helleres Bild
  • ISO: Höherer ISO-Wert = helleres Bild

Oft werden dann noch Effekte wie Bildrauschen bei hohen ISO-Werten, geringe Tiefenschärfe bei offener Blende oder Bewegungsunschärfe bei langen Belichtungszeiten hinzugefügt. Das ist alles richtig, aber es erklärt noch lange nicht, wie diese Werte wirklich zusammenhängen.

Manche versuchen, das Ganze durch komplizierte Grafiken zu veranschaulichen, die aber oft mehr verwirren als erhellen. Die eigentliche Frage bleibt unbeantwortet: Wie wirken sich Änderungen eines Parameters auf die anderen aus?

Mein Ansatz: Das Belichtungsdreieck als Zeigerwerk

Ich möchte das Belichtungsdreieck viel einfacher erklären – als ein Werkzeug, das uns hilft, die Beziehungen zwischen den drei Parametern zu verstehen. Dazu brauchen wir keine komplizierten Skalen, sondern nur drei einfache Achsen:

  • Blende
  • ISO
  • Belichtungszeit

Wichtig ist, dass jede dieser Achsen in sogenannten „Steps“ oder Belichtungsstufen unterteilt ist. Ein Step entspricht dabei einer Verdopplung (oder Halbierung) der Lichtmenge, die auf den Sensor trifft.

  • Bei der Belichtungszeit ist das einfach: Von 1/100 Sekunde auf 1/50 Sekunde verdoppelt sich die Lichtmenge.
  • Beim ISO-Wert ist es genauso: Von ISO 100 auf ISO 200 verdoppelt sich die Empfindlichkeit des Sensors.
  • Bei der Blende ist es etwas komplizierter, da die Blendenzahl ein Verhältnis zwischen Brennweite und Durchmesser der Blendenöffnung ist. Aber auch hier gilt: Ein Step (z.B. von f/8 auf f/5.6) verdoppelt die Lichtmenge.

Das Zeigerwerk in Aktion

Um das Ganze zu veranschaulichen, stelle ich mir ein Zeigerwerk vor, bei dem jeder Zeiger auf einer der drei Achsen (Blende, ISO, Belichtungszeit) liegt. Die Zeiger sind miteinander verbunden, sodass sie sich nicht unabhängig voneinander bewegen können.

  • Verschieben des Zeigerwerks: Wenn wir das gesamte Zeigerwerk verschieben, ändern wir die Kombination der drei Werte, behalten aber die gleiche Belichtung bei. Wenn wir beispielsweise den ISO-Wert von 800 auf 400 reduzieren, müssen wir entweder die Blende weiter öffnen oder die Belichtungszeit verlängern, um die gleiche Helligkeit im Bild zu erhalten.
  • Drehen des Zeigerwerks: Wenn wir das Zeigerwerk drehen, ändern wir die Belichtung des Bildes. Drehen wir es im Uhrzeigersinn, wird das Bild heller (Überbelichtung), drehen wir es gegen den Uhrzeigersinn, wird es dunkler (Unterbelichtung). Das kann gewollt sein, um beispielsweise eine Schneelandschaft korrekt zu belichten (Belichtungskorrektur).

Fazit: Das Belichtungsdreieck als dynamisches Werkzeug

Das Belichtungsdreieck ist mehr als nur eine statische Grafik. Es ist ein dynamisches Werkzeug, das uns hilft, die Zusammenhänge zwischen Blende, Belichtungszeit und ISO zu verstehen und bewusst zu nutzen. Indem wir uns das Belichtungsdreieck als Zeigerwerk vorstellen, können wir leichter erkennen, wie sich Änderungen eines Parameters auf die anderen auswirken und wie wir die gewünschte Belichtung erzielen.

14Jun

7 Dinge, die du wissen musst, um bessere Fotos zu machen, die eigentlich nur 4 sind

Willst du bessere Fotos machen? Dann ist es Zeit, mit den gängigen Mythen aufzuräumen. Heute verrate ich dir drei falsche Glaubenssätze, die viele von uns immer wieder blockieren – und dir zeigen, wie du sie hinter dir lässt, um wirklich Fortschritte zu machen.

1. Fotografieren ist einfach – ich kann es in einem Video lernen

In der Welt von Instagram und YouTube Shorts denken viele, dass man mit ein paar schnellen Tipps und der richtigen Ausrüstung sofort zum Profi wird. Ein 30-Sekunden-Video, ein bisschen Zubehör, und schon gelingt der perfekte Sonnenuntergang oder das beeindruckendste Porträt. Doch das ist eine der größten Illusionen! Fotografie ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Es braucht Zeit, Übung und Geduld, um wirklich gut zu werden. Wer denkt, es geht alles schnell, gibt oft zu früh auf oder fühlt sich frustriert, weil die Ergebnisse nicht den Erwartungen entsprechen. Bessere Fotos entstehen durch kontinuierliches Lernen und praktische Erfahrung – nicht durch schnellen Konsum von Videos oder Tutorials.

2. Alle anderen können das – nur ich nicht

Wenn du dich ständig mit anderen vergleichst, kann das zu einer falschen Vorstellung führen: Du denkst, nur die „Talentierten“ machen gute Fotos, während du selbst „zu wenig Talent“ hast. Das ist ein gefährlicher Glaubenssatz, der dich in eine Sackgasse führt. Menschen, die gute Fotos machen, haben oft nicht einfach „Talent“, sondern sie investieren Zeit, Arbeit und Disziplin. Wenn du dir also ein „statisches Mindset“ aneignest, das besagt, dass Fotografie nur etwas für „Genies“ ist, wirst du nie die Energie aufbringen, dich weiterzuentwickeln. Die Wahrheit ist: Fotografieren kann jeder lernen, wenn er bereit ist, sich wirklich damit auseinanderzusetzen.

3. Die richtige Ausrüstung wird den Unterschied machen

„Wenn ich nur dieses super teure Objektiv hätte, würde ich perfekte Fotos machen!“ – Dieser Gedanke führt viele ins sogenannte „Gear Acquisition Syndrome“. Die Idee, dass neue Ausrüstung automatisch bessere Ergebnisse bringt, ist eine weitere große Falle. Ja, neue Kameras und Objektive erweitern deine Möglichkeiten, aber sie können dir nicht beibringen, wie du sie richtig einsetzt. Wenn du die grundlegenden Fototechniken nicht beherrschst, wirst du mit der neuesten Ausrüstung genauso wenig weiterkommen wie mit der alten. Der wahre Fortschritt kommt durch Übung und Wissen – nicht durch das ständige Aufrüsten deines Equipments.

Die wahre Erkenntnis: Es geht nicht um Talent, sondern um Einsatz

Die entscheidende Wahrheit, die du dir vor Augen führen musst, ist, dass Fotografieren nicht nur eine Frage des Talents ist. Talent mag in gewissen Momenten den Unterschied machen, aber es ist nicht das, was dich zum besseren Fotografen macht. Es sind die Eigenschaften wie Arbeitseinsatz, Geduld, Disziplin und eine Bereitschaft, immer wieder aus Fehlern zu lernen. Nur wer erkennt, dass Fotografie ein Lernprozess ist, der sich über Zeit entfaltet, kann wirklich Fortschritte machen.

4. Handeln statt nur anschauen

Eine weitere Falle, in die viele von uns tappen, ist die Überflutung mit Informationen. Wir schauen uns unzählige Videos an, lesen Bücher und erstellen Notizen – aber setzen das Gesehene nie um. Du kannst nicht durch Videos das Schwimmen lernen, genauso wenig wie du durch bloßes Anschauen von Fotografie-Videos besser wirst. Du musst rausgehen, üben, Fehler machen und deine eigenen Erfahrungen sammeln. Nur durch das aktive Tun wirst du wirklich besser.

Fazit: Fotografie ist eine Reise, kein Ziel

Vergiss den Drang, alles sofort zu meistern. Es geht nicht immer darum, das perfekte Bild zu machen – es geht um den Prozess und das stetige Lernen. Jedes Foto, das du machst, bringt dich einen Schritt weiter. Also: Mach weiter, übe, und lass dich nicht von den Mythen der schnellen Erfolge ablenken. Deine Fotografie wird mit jedem Schritt besser – und das ist es, was zählt!

14Apr

Warum ich mich gegen die analoge Fotografie entschieden habe

In den letzten Jahren hat die analoge Fotografie auf YouTube und in zahlreichen Blogs eine regelrechte Renaissance erlebt. Viele Fotografen schwärmen davon, wie das Fotografieren mit Film den Blick für das Wesentliche schärft, die eigene Entwicklung fördert und durch technische Beschränkungen die Kreativität auf besondere Weise anregt. Manche sind überzeugt, dass der analoge Prozess die Wahrnehmung intensiviert und ein bewussteres Fotografieren ermöglicht.

Doch nach reiflicher Überlegung und eigenen Erfahrungen habe ich mich bewusst dagegen entschieden – und mich klar für die Digitalfotografie ausgesprochen.

Meine Geschichte mit der analogen Fotografie

Zunächst möchte ich betonen: Ich habe absolut nichts gegen analoge Fotografie. Im Gegenteil – meine eigene fotografische Reise begann in den 80er Jahren mit einer Polaroidkamera, später einer Konica Klick und schließlich meiner ersten Spiegelreflexkamera, einer Yashica FX70. Diese Kamera besitze ich noch heute und hänge sehr an ihr. Auch andere alte Technologien wie Plattenspieler oder Kassettendecks faszinieren mich nach wie vor.

2020, während des ersten Lockdowns, entschied ich mich, meine alte Leidenschaft für analoge Fotografie wieder aufleben zu lassen. Ich kaufte eine gebrauchte Canon EOS 5 – eine Kamera aus den frühen 90ern, die für ihre Zeit schon sehr fortschrittlich war. Sie wurde sogar für den berühmten Bullet-Time-Effekt im Film Matrix verwendet. Mein Ziel war nicht, die Kamera nur als Sammlerstück zu besitzen, sondern sie aktiv zu nutzen.

Die Herausforderungen der analogen Fotografie

Doch schnell merkte ich, wie ungewohnt es war, ohne Display zu fotografieren. Nach Jahren mit digitalen Kameras fiel es mir schwer, kein sofortiges Feedback zu haben. Jeder Auslöserdruck fühlte sich an, als würde ich eine begrenzte Ressource verbrauchen – was das Fotografieren zwar verlangsamte, aber nicht unbedingt verbesserte.

Das größte Problem war für mich jedoch der Entwicklungsprozess. Ich musste meine Filme an ein Labor schicken, was oft mehrere Wochen dauerte. Für viele ist diese Wartezeit Teil des Reizes – für mich war sie frustrierend. Häufig war die Erinnerung an den Moment lebendiger als das tatsächliche Ergebnis. Wenn ein Bild nicht meinen Erwartungen entsprach, war die Enttäuschung umso größer. Zudem störte mich der ökologische Fußabdruck: Filme verbrauchen echte Ressourcen, und viele Aufnahmen landen letztlich doch im digitalen Archiv.

Warum ich mich für Digitalfotografie entschieden habe

Für mich fühlte sich die analoge Fotografie zunehmend unbefriedigend an. Die Entwicklung und Digitalisierung eines Films war aufwendig, und selbst hochwertige Scans konnten nie die Qualität einer digitalen RAW-Datei erreichen. Die Nachbearbeitung war eingeschränkt, und die kreative Freiheit, die ich an der Digitalfotografie so schätze, fehlte mir.

Trotz all dieser Nachteile liebe ich es, alte Kameras in die Hand zu nehmen und gelegentlich einen Film zu belichten – einfach aus Nostalgie. Doch wenn es ums eigentliche Fotografieren geht, habe ich mich klar für die digitale Technik entschieden. Sie ist für mich nicht nur praktischer, sondern auch kreativer: Ich kann sofort sehen, wie ein Bild aussieht, Fehler korrigieren, experimentieren und meine Technik direkt auswerten.

Deshalb trenne ich mich nun endgültig von meiner analogen Ausrüstung. Manchmal ist es einfach an der Zeit, eine Entscheidung zu treffen – und für mich bedeutet das, mich voll und ganz auf die Digitalfotografie zu konzentrieren.

Wie seht ihr das?

Schwimmt ihr mit dem analogen Trend oder seid ihr – wie ich – überzeugte Digitalfotografen? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Ich freue mich auf eure Kommentare!

28Dez

Deine neue Kamera – 10 wichtige Schritte für den perfekten Start

Eine neue Kamera in den Händen zu halten, ist für jeden Fotografen ein besonderer Moment. Egal, ob es die erste eigene Kamera ist oder ein Upgrade auf ein neues Modell – der Einstieg entscheidet oft darüber, wie schnell man sich mit dem Gerät vertraut fühlt und wie gut die ersten Ergebnisse werden. Damit du deine neue Kamera von Anfang an optimal nutzen kannst, habe ich hier 10 wichtige Schritte zusammengefasst, die dir den Start erleichtern.

1. Menü erforschen und verstehen

So banal es klingt: Nimm dir Zeit, um das Menü deiner Kamera systematisch durchzugehen. Viele Funktionen verstecken sich in Untermenüs oder tragen Namen, die nicht auf den ersten Blick selbsterklärend sind. Moderne Kameras bieten oft eine Hilfefunktion direkt im Menü – nutze diese. Das Ziel ist: Du solltest nicht nur wissen, wo welche Einstellung zu finden ist, sondern auch, was sie bewirkt.

2. Datum, Uhrzeit und Copyright einrichten

Klingt unspektakulär, ist aber enorm wichtig. Fotos ohne korrektes Datum oder mit falscher Uhrzeit sind ein Albtraum bei der Archivierung. Und: Nutze die Möglichkeit, deinen Namen und Copyright-Informationen direkt in den Metadaten der Kamera zu hinterlegen. So bleibt dein Bild auch nach dem Export eindeutig dir zugeordnet.

3. Dateiformat und Bildqualität wählen

JPEG, RAW oder beides? Hier musst du eine Entscheidung treffen, die zu deinem Workflow passt. RAW-Dateien bieten maximale Flexibilität in der Nachbearbeitung, benötigen aber mehr Speicherplatz. JPEGs sind sofort einsatzbereit, lassen jedoch weniger Spielraum bei der Bearbeitung. Tipp: Lerne die Schnellzugriffe deiner Kamera kennen, damit du je nach Situation blitzschnell wechseln kannst.

4. Die richtige Belichtungsmessung einstellen

Moderne Kameras bieten eine Vielzahl von Belichtungsmethoden – von Spotmessung bis Matrixmessung. Je nach Motiv kann die eine oder andere Methode passender sein. Besonders wichtig: Verinnerliche, dass die Kamera immer versucht, ein mittleres Grau zu erzeugen. Bei Schnee oder dunklen Szenen kann das zu Fehlbelichtungen führen – hier hilft die Belichtungskorrektur.

5. Fokusmodus und Autofokus-Strategie anpassen

One-Shot, Continuous oder manueller Fokus – welche Methode passt zu deinem Motiv? Landschaftsfotografen bevorzugen oft den Einzelfokus auf einen definierten Punkt, während bei Events der kontinuierliche Fokus mit Gesichtserkennung Gold wert ist. Auch das Fokus-Peaking (farbige Markierung scharfer Bereiche) ist bei manueller Fokussierung eine wertvolle Hilfe.

6. Kameratöne anpassen

Möchtest du, dass deine Kamera dir akustisches Feedback gibt, wenn der Fokus gefunden wurde? Im Studio mag das hilfreich sein, in der Natur oder bei Reportagen eher störend. Überlege dir, ob du lieber „silent“ unterwegs bist oder die Töne aktiv lässt.

7. Verhalten bei fehlender Speicherkarte festlegen

Kameras können so konfiguriert werden, dass sie auch ohne eingelegte Speicherkarte auslösen. Klingt praktisch, ist aber im Alltag ein potenzielles Risiko. Die sicherere Wahl: Die Kamera sollte nur auslösen, wenn tatsächlich eine Karte eingelegt ist – so ersparst du dir böse Überraschungen.

8. Programm-Modi kennenlernen und ausprobieren

Neben dem manuellen Modus gibt es je nach Kamera zahlreiche Automatik- und Szenenprogramme. Selbst wenn du lieber manuell fotografierst, kann es in hektischen Situationen hilfreich sein, die Automatiken sinnvoll zu nutzen. Nimm dir Zeit, um die Unterschiede zu verstehen und zu testen.

9. Tastenbelegung checken und anpassen

Moderne Kameras bieten oft eine individuell anpassbare Tastenbelegung. Bevor du wild umbelegst, lohnt es sich, erst einmal die Werkseinstellungen kennenzulernen. Nach einigen Wochen Praxis merkst du meist von selbst, welche Funktionen du schneller zugänglich haben möchtest – erst dann solltest du die Belegung optimieren.

10. Bedienungsanleitung und Zusatzliteratur nutzen

Last but not least: Die Bedienungsanleitung ist dein bester Freund – besonders in den ersten Wochen mit einer neuen Kamera. Am besten hast du sie immer in der Kameratasche dabei oder als PDF auf dem Smartphone. Ergänzend lohnt es sich, praxisnahe Fachbücher oder Tutorials zur Kamera zu lesen, die über die trockenen technischen Beschreibungen hinausgehen und echte Tipps aus dem Fotografenalltag bieten.


Fazit:
Mit diesen zehn Punkten legst du den Grundstein für ein erfolgreiches Arbeiten mit deiner neuen Kamera. Und selbst, wenn deine Kamera schon länger im Einsatz ist – es schadet nicht, diese Checkliste einmal durchzugehen. Oft entdeckt man Funktionen, die man längst vergessen hat oder bisher nie genutzt hat. In diesem Sinne: Viel Freude mit deiner Kamera und allzeit gutes Licht!

04Jun

Die Kraft der Frage: Warum fotografieren wir?

Ein sonniger Tag am See im Salzkammergut – der perfekte Ort, um neue fotografische Ideen auszuprobieren. Doch anstatt einfach die Kamera zu zücken und wie gewohnt ein paar Aufnahmen zu machen, habe ich beschlossen, meinen fotografischen Ansatz zu hinterfragen. Wie entstehen eigentlich meine Motive? Und könnte ein anderer Denkansatz meine Bilder verändern?

Die gewohnte Herangehensweise

Normalerweise beginnt meine fotografische Reise mit der Frage: „Was möchte ich fotografieren?“ Das kann eine Kutsche sein, eine versteckte Höhle oder eine beeindruckende Kirche. Danach folgt das „Wie“: die passende Kameraausrüstung, die Tageszeit, die Einstellungen. Manchmal gibt es auch ein „Warum“, aber oft bleibt diese Frage eher im Hintergrund.

Doch kürzlich bin ich auf ein Buch gestoßen, das einen anderen Ansatz vorschlägt: Die Reihenfolge der Fragen umdrehen. Beginnen mit dem „Warum“.

Warum vor Was – ein neuer Denkansatz

Warum möchte ich diesen See fotografieren? Was bedeutet dieser Ort für mich? Mit diesen Fragen verlagert sich der Fokus von der äußeren Welt auf mein Inneres. Meine Emotionen, Erinnerungen und Assoziationen werden Teil des Bildes. Der See ist für mich nicht nur eine malerische Landschaft, sondern ein Ort der Freiheit, ein Platz zum Träumen und Nachdenken. Die Erinnerung an heiße Sommertage, das leise Plätschern des Wassers, der Geruch von feuchtem Ufergestein – all das sind Empfindungen, die ich in meine Bilder einfließen lassen möchte.

Das „Wie“ aus dem „Warum“ ableiten

Wenn ich mit dem „Warum“ beginne, ergeben sich völlig neue fotografische Möglichkeiten. Anstatt ein klassisches Postkartenmotiv zu schießen, experimentiere ich mit Techniken, die meine Empfindungen unterstreichen:

  • Makrofotografie: Nahaufnahmen von Steinen, nassen Blättern oder dem Uferkies, um die taktile Qualität des Ortes einzufangen.
  • ICM (Intentional Camera Movement): Verwischte, abstrakte Bilder, die die Bewegung des Wassers und die Lichtstimmung einfangen.
  • Orton-Effekt: Eine Technik, die der Szene einen weichen, verträumten Look verleiht und die Stille sowie die fast magische Atmosphäre des Sees betont.

Durch diesen neuen Ansatz wird meine Fotografie persönlicher. Die Bilder sind nicht mehr nur eine Abbildung der Landschaft, sondern eine Interpretation meiner Gefühle und Erinnerungen.

Fazit

Der Perspektivwechsel – vom „Was“ zum „Warum“ – hat meine Herangehensweise verändert. Ich lade dich ein, das selbst auszuprobieren: Frage dich bei deinem nächsten Fotoprojekt zuerst, warum du ein bestimmtes Motiv festhalten möchtest. Die Antwort darauf wird deine Bilder einzigartiger machen – denn sie kommen nicht nur aus der Kamera, sondern aus dir selbst.

30Jän

Langeweile als kreative Quelle – Ein Perspektivwechsel

Langeweile – ein Zustand, den viele Menschen mit Widerwillen vermeiden. Wir leben in einer Zeit ständiger Ablenkung – sei es durch Smartphones, soziale Medien oder die permanente Verfügbarkeit von Unterhaltung. Doch ist Langeweile wirklich so schlecht, wie wir sie oft darstellen? Was wäre, wenn sie uns nicht nur unproduktiv, sondern im Gegenteil auch kreativ machen könnte?

Erinnerungen an meine Kindheit kommen mir in den Sinn. Oft verbrachte ich Zeit bei meinen Großeltern im Waldviertel, weit weg von der hektischen Welt. Inmitten der Natur, mit einem kleinen See vor der Haustür und kaum Straßenverkehr, schien es ein Paradies zu sein. Dennoch überkam mich manchmal Langeweile. Als Kind empfand ich sie als unangenehm und unerträglich. Doch meine Großmutter beobachtete mich mit einem Lächeln und sagte: „Langeweile ist die Mutter der Kreativität.“ Sie ließ mich gewähren, bis ich schließlich etwas fand, womit ich meine Zeit vertreiben konnte. So lernte ich, dass Langeweile nicht nur ein leerer Zustand ist, sondern eine Einladung zur Kreativität – eine ungenutzte Möglichkeit, die nur darauf wartet, entdeckt zu werden.

Die Wissenschaft bestätigt diese Annahme. Studien zeigen, dass Langeweile und Kreativität eng miteinander verknüpft sind. Eine Untersuchung ergab, dass Menschen, die sich ohne Ablenkung mit sich selbst beschäftigen mussten, oft kreativer waren als diejenigen, die mit anspruchsvollen Aufgaben beschäftigt waren. Die Teilnehmer der „Langeweile-Gruppe“ entwickelten deutlich mehr kreative Ideen als jene, die mit einer intensiven kognitiven Tätigkeit abgelenkt wurden. Diese Erkenntnisse legen nahe, dass kreative Einfälle nicht immer erzwungen werden können – sie entstehen oft dann, wenn unser Geist die Freiheit hat, umherzuwandern.

Ein bemerkenswertes Experiment verdeutlicht dies: Teilnehmer mussten sich in einem leeren Raum mit nichts außer ihren eigenen Gedanken beschäftigen. Ihnen wurde die Möglichkeit gegeben, durch Drücken eines Knopfes einen leichten Stromschlag zu erhalten – eine Handlung, die eigentlich als unangenehm empfunden wird. Überraschenderweise drückten 60 % der Männer und 20 % der Frauen diesen Knopf, um der Langeweile zu entkommen. Dieses Ergebnis wirft eine interessante Frage auf: Warum fürchten wir Langeweile so sehr? Und was sind wir bereit zu opfern, nur um sie zu vermeiden? Vielleicht ist es an der Zeit, Langeweile nicht als Bedrohung, sondern als wertvolle Gelegenheit zu betrachten.

Auch im kreativen Schaffen zeigt sich der Wert der Langeweile. Viele Erfinder und erfolgreiche Unternehmer berichten, dass ihre besten Ideen nicht während intensiver Arbeit, sondern in Momenten der Entspannung entstanden – unter der Dusche, beim Spaziergang oder in ruhigen Phasen des Tages. Diese vermeintlich unproduktiven Augenblicke schaffen Freiräume, in denen das Gehirn unerwartete Verbindungen knüpfen kann, die im hektischen Alltag verborgen bleiben.

In der Fotografie spielt Langeweile ebenfalls eine Rolle. Als Fotograf bedeutet es, sich Zeit für ein Motiv zu nehmen, es aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und nicht sofort zum nächsten Bild zu springen. Wer länger verweilt, entdeckt oft neue Perspektiven und kreative Möglichkeiten. Nicht die Hast, sondern die bewusste Auseinandersetzung mit dem Motiv führt zu durchdachteren und ausdrucksstärkeren Bildern.

Vielleicht sollten wir Langeweile nicht als etwas Negatives betrachten. Stattdessen können wir sie als kreative Auszeit verstehen, die uns neue Ideen und Perspektiven eröffnet. Beim nächsten Mal, wenn Langeweile aufkommt, sollten wir uns nicht sofort nach Ablenkung sehnen – sondern ihr Raum geben. Wer weiß, vielleicht entsteht gerade in diesem Moment die nächste große Idee.

20Okt

Die Kunst des Fotografierens: Warum Nicht jedes Bild ein Meisterwerk sein muss

Manchmal ist es die Suche, die den wahren Wert einer Fotografie ausmacht. An einem späten Nachmittag im Wald begab ich mich auf eine kleine Entdeckungsreise, mit der Hoffnung, ein paar gelungene Bilder von einem ungewöhnlichen Naturphänomen zu machen: Steinmännchen, die von anderen Spaziergängern am Ufer eines kleinen Flüsschens aufgebaut wurden. Diese kleinen „Steindörfer“ hatten mich schon bei einem früheren Lauf fasziniert, und ich wollte sie im goldenen Licht des Sonnenuntergangs einfangen. Aber wie so oft im Leben, läuft nicht immer alles nach Plan.

Als ich das Flüsschen fand, hatte ich schon das Gefühl, dass ich gegen die Zeit kämpfte. Die Sonne stand tief und der Tag neigte sich dem Ende zu. Doch die wahre Enttäuschung kam erst, als ich die Stelle erreichte, an der die Steinmännchen stehen sollten – sie waren verschwunden. Keine Steinmännchen, kein Bild.

Doch anstatt enttäuscht aufzugeben, beschloss ich, das Beste aus der Situation zu machen. Ich baute meine eigenen Steinmännchen und versuchte, ein paar Fotos zu schießen. Das Licht war nicht perfekt, die Sonne hatte bereits ihren letzten Wink gegeben, aber es gab dennoch etwas Magisches in diesem Moment. Ein paar einfache Steinchen, sorgfältig aufeinandergestapelt, und ich hatte ein kleines Stück Natur in meiner Kamera eingefangen.

Doch warum war dieser Moment so besonders? Weil es beim Fotografieren nicht nur um das Ergebnis geht. Es geht darum, Zeit mit sich selbst zu verbringen, die Natur zu erleben und in einem Moment der Ruhe und Konzentration auf das zu achten, was um einen herum passiert. Natürlich hätte ich mir gewünscht, die Steinmännchen im goldenen Sonnenuntergang zu fotografieren, aber der wahre Wert lag nicht in einem perfekten Bild, sondern in der Erfahrung, die ich dabei machte. Denn Fotografieren ist mehr als nur ein Foto zu machen – es ist eine Reise.

Nicht jedes Bild, das man schießt, wird ein Meisterwerk. Aber jedes Bild ist ein Schritt, eine Übung, ein Versuch, die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen. In der Fotografie gibt es keine Garantie für den perfekten Moment, aber es gibt immer die Möglichkeit, etwas aus dem Unvorhergesehenen zu lernen.

Am Ende des Tages ging ich nach Hause, mit ein paar Fotos, die vielleicht keine „Keeper“ waren, aber mit einer Erfahrung, die mehr wert war als jedes perfekte Bild. Und wer weiß, vielleicht werde ich in ein paar Monaten wieder an diesem Platz stehen und das kleine Steinmännchen-Dorf wird wieder aufgebaut sein – ein weiterer Moment, der es wert ist, eingefangen zu werden.

Fotografie bedeutet, die Schönheit im Unvollkommenen zu finden und Zeit mit sich selbst in der Natur zu verbringen. Und das ist mehr wert als jedes perfekte Bild.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – aber bitte nicht ohne Erlaubnis. Kontaktieren Sie mich gerne für Nutzungsrechte!